Diese Erkenntnisse heben das Bodyshaping auf eine ganz neue Stufe
Bisher ließ sich der Muskelaufbau bei ausreichend guter Ernährung und entsprechendem Training nur noch mit anabolen androgenen Steroidhormonen verbessern, die jedoch eine ganze Reihe schwerwiegender Nebenwirkungen aufweisen. Mit der Erforschung von natürlichen Insekten-Steroiden hat sich das nun geändert.
Mit Geheimzutat zum Traumkörper?
Die sogenannten Ecdysteroide kommen in vielen Pflanzen vor und ahmen dort ein Hormon nach, das bei wirbellosen Tieren die Häutung reguliert. So schützen sich diese Pflanzen davor, von unspezialisierten Insekten angefressen zu werden. Aufgrund dieser Wirkung startete man schon in den 60ern eine Reihe von Studien, die prüfen sollten, ob sich diese Stoffe als Insektizide eignen und ob es dabei Nebenwirkungen auf den menschlichen Organismus gibt. Mit der Zeit stellte sich heraus, dass Ecdysteroide bei Menschen und anderen Wirbeltieren keine wirklich negativen Nebenwirkungen haben, sondern stattdessen erstaunlich viele gesundheitliche Vorteile bieten.
Als wichtigste Wirkung verzeichnete man schon früh eine gesteigerte Proteinsynthese bei einem verringerten Protein-Abbau durch die orale Gabe von Ecdysteroiden. Die dadurch resultierende Verstärkung des Muskelaufbaus konnte zwar auch von ein paar wenigen Studien nicht gefunden werden, ist mittlerweile aber von erschlagend vielen wissenschaftlichen Artikeln bestätigt.
Bosstransformation mit Ecdysteron
Eine von der Welt-Anti-Doping-Agentur finanzierte Interventionsstudie, die 2019 in der Archives of Toxicology veröffentlicht wurde, zeigt einen Muskelaufbau von 2 kg in nur 10 Wochen bei Teilnehmern, die täglich 800 mg Ecdysteron zu sich nahmen. Das ist das am meisten vorkommende Ecdysteroid. Bei 200 mg betrug die Zunahme der Muskelmasse immer noch 1,5 kg, während eine Kontrollgruppe sogar ohne Workout in etwa 2 Gramm an Muskeln zunahm. Zum Vergleich: Die Placebogruppe ohne Ecdysteron hat nach 10 Wochen Training im Durchschnitt fast 300 g Muskelmasse verloren. Das folgende Diagramm bildet die Ergebnisse der Studie ab.
Wo kommen Ecdysteroide vor?
Kleine Mengen an Ecdysteroiden finden sich in zahlreichen Pflanzen, wobei Spinat mit 0,01 % den höchsten Gehalt unter den gängigen Lebensmitteln aufweist. Man müsste allerdings schon drei Kilo frischen Spinat essen, um 5 µg pro kg Körpergewicht zu erreichen. Das ist die Mindestmenge an Ecdysteroiden, bei der ein anaboler Effekt zu beobachten ist. Mit einem Spinatpulver oder gar -extrakt wird das Unterfangen schon realistischer. Über-50-jährige Männer und Frauen konnten in einer Studie von 2021 mit täglichen 2 Gramm Spinatextrakt nach 12 Wochen Muskeltraining größere Erfolge erzielen als die Kontrollgruppe.
Noch größere Mengen an Ecdysteroiden finden sich in den Gattungen Achyranthes, Ajuga, Cyanotis, Cyathula, Leuzea, Pfaffia, Polypodium, Rhaponticum und Serratula.
Der Spitzenreiter Cyanotis arachnoidea ist eine Pflanze mit einer flauschigen blauen Blüte, die wegen ihres hohen Ecdysteroid-Gehalts schon länger in der Insektenforschung genutzt wird. Den Wurzelextrakt bekommt man daher schon nach kurzer Suche günstig im Internet zu kaufen, unter anderem sogar als gefälschten Spinatextrakt.
Also warum teuren Spinatextrakt kaufen, wenn man direkt Cyanotis zu sich nehmen kann?
An dieser Stelle muss gesagt werden, dass die Einnahme von Cyanotis-Präparaten und anderen Ecdysteroid-haltigen Pflanzen, die nicht traditionell als Lebensmittel genutzt werden, nicht uneingeschränkt empfohlen werden kann, solange die gesundheitliche Unbedenklichkeit nicht besser untersucht worden ist.
Wie nehme ich Ecdysteron zu mir?
Die getrocknete Wurzel von Cyanotis arachnoidea enthält bis zu 5,5 % Ecdysteron, eines der wirkungsvollsten Ecdysteroide. Für einen verstärkten Muskelaufbau reichen davon also schon etwas mehr als 7 mg pro Tag. Die 800 mg Ecdysteron pro Tag, die in der Doping-Studie verwendet wurden, entsprechen 16 g trockenen Wurzeln. Wenn man sich aber einen Extrakt besorgt, reicht davon je nach Reinheit schon ein Gramm als Tagesdosis, also ungefähr eine Messerspitze Extrakt, egal ob aus Cyanotis oder Spinat. Er kann problemlos in Wasser aufgelöst und getrunken werden. Cyanotis-Extrakt schmeckt übrigens ungefähr nach einer Mischung aus Gemüsebrühe und Feuerwerkskörper. Ajuga hingegen setzt neue Maßstäbe in Sachen Bitterkeit.
Die Halbwertszeit von Ecdysteron ist mit ungefähr 3 Stunden vergleichsweise kurz. Um eine konstante Versorgung zu gewährleisten, bietet es sich also an, seine 800-mg-Tagesportion gleichmäßig über den Tag zu verteilen. Zum Beispiel ein Drittel nach dem Aufstehen, eins vor dem Schlafengehen und eins irgendwann dazwischen. Da Ecdysteroide für den Muskelaufbau nur wirklich wirksam sind, wenn auch Wachstumsreize gesetzt sind, empfiehlt sich die Einnahme nur an Trainings- und Regenerationstagen.
Was macht Ecdysteron im Körper?
Vielleicht sind wir einfach an das Vorkommen von Insektenhormonen angepasst und der menschliche Proteinstoffwechsel funktioniert ohne Ecdysteroide nur eingeschränkt, weil Insekten in der frühen Menschheitsgeschichte schon immer einen Teil der Nahrung ausgemacht haben? Das wäre eine verlockende Erklärung, aber um die in einem Gramm trockener Pflanze enthaltene Menge an 20-Hydroecdysteron zu erreichen, müsste man eine halbe Tonne Seidenspinnerpuppen essen.
Ecdysteroide beschleunigen das Muskelwachstum auch nicht über die Androgenrezeptoren in den Zellmembranen, wie es bei Testosteron der Fall wäre. Denn zum Andocken fehlen dem Molekül Methylgruppen, an deren Stelle blockierende Hydroxylgruppen sitzen. Stattdessen aktivieren Ecdysteroide den Östrogenrezeptor ERβ.
Bei der Suche nach Nebenwirkungen fand man heraus, dass Ecdysteroide das Potenzial haben, die Leber vor Giften zu schützen und das Gehirn vor Gedächtnisstörungen, die unter Anderem durch Alkohol verursacht werden. Allgemein scheinen sie sich positiv auf das Gehirn auszuwirken. Ansonsten zeigten Ecdysteroide eine cholesterinsenkende und antioxidative Wirkung, schützten vor Atherosklerose und hatten weitere positive Effekte für Herz, Lunge, Nieren und das Immunsystem.
Da Ecdysteroide nicht androgen wirken, treten keine hormonellen Nebenwirkungen wie Gynäkomastie oder Hodenveränderungen auf, wie man sie von Testosteronpräparaten kennt.
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